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Kommentar zu Schweiz – Serbien

Sonntag, 24. Juni 2018

Die Untersuchung der Adler-Affäre ist scheinheilig. Ja es gibt gute Gründe das Symbol bei einem Spiel gegen Serbien nicht zu zeigen. Andererseits ist es scheinheilig an einem Event, wo es nach dem Protokoll von nationalen Symbolen wimmelt, einzelne davon zu verbieten. Man sollte auch bedenken, dass insbesondere Serbische Politiker im Vorfeld des Spiels die Stimmung gehörig aufgeheizt haben.

Wenn schon, müsste die Fifa konsequent gegen alle klar herabwürdigende Gesten beim Torjubel vorgehen. Dazu gehört aber dann auch die Geste von Ronaldo nach dem 1:0 gegen Spanien.

Welche Flüchtlingskrise?

Mittwoch, 20. Juni 2018

In der aktuellen Episode «Die Kurz-Seehofer-Achse» des Zeit-Podcast «Servus Grüezi Hallo» wurde wiedermal die Flüchtlingskrise in Deutschland, Österreich und der Schweiz diskutiert. Dabei hat Matthias Daum aus Schweizer Sicht gesagt, dass die grossen Flüchtlingsströme 2015 an der Schweiz vorbeigegangen sind, da die Syrer mit der Schweiz keine grossen Anknüpfungspunkte hatten und da die Schweiz ihre Asylgesetzgebung in den letzten Jahren zunehmend verschärft hat. Das war für mich der Anlass für eine kleine Recherche.

Die erste Frage ist wieso wollten die Flüchtlinge 2015 nach Deutschland. Flüchtlinge wollen in der Regeln in ein sicheres Land, wo gute Chancen für Asyl bestehen und wo die wirtschaftliche Lage so ist, dass auch Chancen bestehen, ein eigenes Einkommen zu generieren. Da da grundsätzlich verschiedene Länder in Frage kommen, werden Länder bevorzugt, wo es einen Anknüpfungspunkt gibt. Dieser Anknüpfungspunkt gibt es führ viele Syrer mit der DDR. Seit den 1970 Jahren gabt es ein Programm, wo syrische Studenten ein paar Semester in der DDR-Studieren konnten. Als Frau Merkel zum Zeitpunkt, wo die Zustände in Südosteuropa untragbar wurde, nicht grundsätzliche Abneigung zu der Aufnahme von Flüchtlingen signalisiert hat, war dies wohl der Auslöser dafür, dass sich viele Flüchtlinge auf den Weg nach Deutschland gemacht haben. Der Weg aus Griechenland oder Bulgarien nach Deutschland führt durch Österreich. Damit war Österreich auch betroffen.

Die Asylzahlen Bevölkerungsbereinigt betrachtet, zeig ein anderes Bild auf die Flüchtlingskrise.

Wenn man nun die Asylantragszahlen von Deutschland, Österreich und der Schweiz vergleicht. Stellt man fest, dass es in normalen Zeiten (Durchschnitt 2006 – 2014) pro Jahr auf 10’000 Einwohner 7 Asylanträge gibt. In Österreich sind dies 19 und in der Schweiz 23. Im Jahr 2015 waren es in Deutschland 54 Asylanträge auf 10’000 Einwohner in der Schweiz 47 und in Österreich 102. Im Jahre 2016 sind die Anträge in Deutschland auf 88 gestiegen in Österreich sind sie wieder auf 48 gesunken und Schweiz waren sie mit 32 schon wieder auf Normalniveau. Wahrscheinlich sind die Zahlen 2015 in Deutschland zu tief und diejenigen für 2016 hoch. Der Grund dürfte folgender sein: Es gab verschiedene Berichte, dass Asylsuchende teilweise Monatelang warten mussten, bis sie ihren Antrag stellen konnten. Aufgrund der normalerweise kaum vorhandenen Asylanträge, habe in Deutschland die Verwaltungsstrukturen gefehlt um so viele Anträge zu bearbeiten. 2017 gab es kaum eine erhöhte Anzahl Asylanträge. Aktuell streiten sich Merkel und Seehofer um ein Problem, dass es nicht mehr gibt.

Die Flüchtlingskrise wäre in Österreich wahrscheinlich ähnlich, wie in der Schweiz betrachtet worden, wenn nur die Flüchtlinge nach Österreich gekommen wären, die dort auch einen Antrag gestellt haben. Da gleichzeitig zur erhöhten Antragsquote die viel grössere Anzahl Flüchtlinge mit dem Ziel Deutschland durch Österreich gegangen sind, erschien die Situation extremer als sie effektiv war.

Deutschland war einfach überfordert mit den Flüchtlingen, da normalerweise kaum Asylanträge in Deutschland gestellt werden. Deshalb haben dort auch die Strukturen gefehlt um eine grössere Anzahl Asylsuchende unterzubringen, zu versorgen und deren Anträge zu bearbeiten. Dadurch sind auch viele unhaltbare Zustände entstanden. Wie auch das Gefühl einiger Deutschen, dass sie die Regierung und Verwaltung nur noch um die Flüchtlinge kümmern. Durch die Unfähigkeit der Deutschenbehörden die Asylbewerber schnell in ein Verfahren aufzunehmen, ist der Eindruck entstanden es kämen jeden Tag mehr, obwohl Tag für Tag die selben Flüchtlinge in der Schlange standen, um endlich einen Asylantrag stellen zu können.

Fussgängerzähler Marke Eigenbau – Ein Erfahrungsbericht

Dienstag, 15. Mai 2018

Der Zähler am Fenster zählt die Fussgängerin auf dem Gehsteig.

Während Zählungen für den motorisierten Individualverkehr selbstverständlich sind, bestehen kaum Datengrundlagen von Personen, die zu Fuss unterwegs sind. Als Planer, der sich professionell mit dem Fussverkehr auseinandersetzt, bin ich der Frage nachgegangen, ob es mir gelingt würde, ein eigenes, einfach zusammensetzbares Fussgängerzählgerät zu entwickeln und so allenfalls einen Beitrag zu einer breiteren Anwendung von Fussgängerzählungen zu leisten.

Ich war gerade daran, die Fachtagung von Fussverkehr Schweiz zum Thema «Fussgängerzählungen – Wir zählen!» vorzubereiten, die am 12 Juni 2018 in Biel stattfinden wird, als ich vom Citizen Science-Projekt «luftdaten.info» erfuhr, das seinen Ursprung im Feinstaub-geplagten Stuttgart hat. Lange Zeit gab es dort zu wenig Feinstaub-Messstationen. Also haben Aktivisten die Initiative «luftdaten.info» gestartet, bei dem eigene Feinstaubmessstation gebaut und die Daten in ein grosses, offenes Netzwerk eingespeist werden. Heute gibt es im Raum Stuttgart über 400 Messstationen.

Als passionierter Fussgänger fragte ich mich, ob anstatt Feinstaubmessgeräten auch Fussgängerzählgeräte selbst gebaut werden können. Da meine Programmierfähigkeiten beschränkt sind, habe ich zunächst im Internet nach Anleitungen gesucht und wurde fündig. Offenbar kann man Fussgängerzähler relativ einfach mit einem programmierbaren Microkontroller einerseits und einem Ultraschallsensor oder passiven Infrarotsensor andererseits konstruieren. Der Ehrgeiz war gepackt und ich habe mein eigenes Projekt gestartet. Das Ziel war es:

  • einen eigenen, einfach zusammensetzbaren Fussgängerzähler zu entwickeln;
  • im Rahmen eines Workshops Interessierte anzuleiten und mit ihnen zusammen einen solchen Zähler anzufertigen.

Die Elektronik ist erstaunlich günstig

Mein Fussgängerzähler basiert auf einem passiven Infrarotsensor zum Detektieren der Bewegungen. Diese Bewegungen werden mit einem nodeMCU – also einem Mikrocontroller mit WLAN Schnittstelle – verarbeitet und weitergeleitet. Letztlich werden die erfassten Bewegungen über WLAN zu einer Internet of Things-Plattform hochgeladen.

Die passenden elektronischen Bauteile habe ich für 5 € bestellt. Das Zusammenbauen ist einfach und schnell erledigt. Jedoch muss der Programmcode angepasst werden und das Programm auf den Chip geladen werden.

Etwas anspruchsvoller ist die Konstruktion eines geeigneten Gehäuses, das ich aus den Elementen eines Abflussrohrsystems entwickelt habe. Die Materialkosten dafür waren mit 25 € deutlich teurer als für die Elektronik. Es ist darauf zu achten, dass beim Zusammenbauen des Gehäuses keine ausgefransten, sondern schön glatte Kanten entstehen, denn ansonsten detektiert der Sensor andauernd (Pseudo-)Bewegungen.

Im Betrieb ist die Stromversorgung eine Herausforderung. Kann die Zählstelle an der Steckdose betrieben werden, ist die Sache relativ einfach. Das Stromkabel muss nur so aus dem Gehäuse geführt werden, dass kein Wasser eindringen kann. Alternativ kann die Zählstelle mit einer Powerbank versorgt werden. Pro Woche ist mit einem Verbrauch von ca. 30’000 mAh zu rechnen.

Positionierung des Zählers

Wie muss die Zählstelle eingerichtet werden, damit von einem Privatgrundstück aus die Fussgänger gezählt werden? Wenn der Zähler von einem Gebäude aus in Richtung Strasse zeigt, werden nicht nur die Fussgänger auf dem Gehsteig, sondern auch alle vorbeifahrenden Fahrzeuge gezählt. Das Gerät am Strassenrand (z.B. an einem Kandelaber) positionieren und in Richtung Gebäude detektieren, behebt das unerwünschte Mitzählen. Für die Stromversorgung muss aber eine Lösung gefunden werden. Eine dritte Option, die in urbanen Verhältnissen häufig anzutreffen ist, beruht darauf, den Zähler neben einem Fenster über einem Gehsteig zu befestigen und mit einem Flachkabel durch das Fenster mit Strom aus der Steckdose zu versorgen. Von hier aus lässt sich der Zähler so ausrichten, dass er nur Bewegungen auf dem Gehsteig detektiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass kein Vandalismus befürchtet werden muss.

Nun zählt mein neben dem Fenster angebrachtes Zählgerät fleissig Fussgängerinnen und Fussgänger. Erste Auswertungen zeigen, dass werktags ca. 1’000 Personen passieren; am Wochenende sind es nur 500. Es gibt eine ausgeprägte Morgenspitze, aber keine Abendspitze. Gegen Abend, ist die Frequenz unterdurchschnittlich, wahrscheinlich weil mehr Bewegungen auf dem gegenüberliegenden Gehsteig stattfinden. Um diese Vermutung zu belegen, müsste ich jedoch dort ein zweites Zählgerät platzieren.

Fazit

Einen eigenen Fussgängerzähler zusammenzubauen, ist erstaunlich einfach und kostengünstig. Fussgängerzählungen mit solchen selbstgebauten Zählern haben aber auch Defizite und nicht das gleiche Potential wie zum Beispiel Feinstaubsensoren:

  • Die Anforderungen an den Standort einer Fussgängerzählstelle sind höher als an eine Feinstaubmessstelle. Personen, die gerne eine solche Zählstelle bauen und installieren wollen, haben nicht unbedingt Zugang zu einem sinnvollen Zählstandort.
  • Damit ein Fussverkehrs-Zählstellennetzwerk als Citizen-Science-Projekt sinnvolle Daten liefert, müsste jeweils auf den Gehsteigen beidseits der Strasse gezählt werden. Dazu müssten die Fussgängerzählgeräte eine sehr starke Verbreitung finden.
  • Damit die selbstgebauten Zähler zweckmässig eingesetzt werden können, müssten sie netzunabhängiger funktionieren. Dies betrifft sowohl die Abhängigkeit von WLAN, und Strom. Zudem müsste der Zähler nicht nur die Anzahl Personen, sondern auch deren Gehrichtung erfassen können.
  • Ein No-Go für ein offenes Zählnetzwerk ist zudem, dass die Daten in einer kommerziellen Internet-of-Things-Cloud sammelt werden. Dafür sollte eine offene Lösung entwickelt werden.

Mein Fussgängerzähler Marke Eigenbau ist aktuell eher ein Demonstrationsobjekt als ein fertiges Produkt. Denkbar wäre, den Zähler soweit weiter zu entwickeln, damit dieser Planungsbüros oder Kommunen als kostengünstige Alternative zu kommerziellen Zählgeräten angeboten werden kann. Dazu wäre noch einiges an Entwicklung notwendig. Für den Moment freue ich mich aber vor allem auf den Workshop im Juni, an den ich mein erworbenes Wissen weitergeben und weiteren Interessierten zeigen kann, wie ein solcher Zähler zusammengebaut wird.

Artikel für Mobilogisch 2/18

Anmeldungen für die Tagung von Fussverkehr Schweiz

Altes MacBook, neues Leben mit Linux

Sonntag, 06. Mai 2018

Beim Start erscheint nun das Logo von ElementaryOS

In unserem Haushalt ist liegt zwei Jahren ein ungenutztes MacBook 2008 rum. Leider bekommt dieses seit einigen Jahren kein neues OS X. Mit 10.7.5 Lion war Schluss mit offiziellen Updates. Mit ein wenig hacken, war es möglich OS X 10.8 Mountain Lion zu installieren. Leider ging das Bluetooth nicht mehr. Eigentlich ist das Gerät noch gut beisammen und kann als Mail, und Schreibmaschine noch ein paar Jahre genutzt werden. Das war nun also die Ausgangslage um das Experiment Linux auf dem MacBook zu starten.

Installation einfach – WLAN schwierig

Das Dock errinnert an macOS

Ich habe mich für die Linux Distribution elementary OS entschieden. Elementary OS ist defacto ein Ubuntu 16.04 mit einer schönen grafischen Oberfläche.  Die Installation ist super einfach. Image runterladen, mit Etcher auf USB-Stick flashen. Das MacBook mit gedrückter Alt-Taste neu starten. Im Startmenu das Volumen EFI Boot auswählen und das Linux starten. Nach der Installation, startet das elementary OS und der erste Eindruck ist, es läuft alles. Die WLAN Einstellung findet das eigene Next und es ist möglich sich einzuwählen. Nur das Netzwerk funktioniert nicht. Zum Glück funktioniert Internet über das USB getethered vom iPhone. Also nach einer Lösung suchen. Die gefundene Lösung ist die vorinstallierten Netzwerktreiber deinstallieren. Dazu muss der folgende Befehl im Terminal ausgeführt werden:

sudo apt-get remove –purge bcmwl-kernel-source
sudo reboot

Und der neue Treiber installiert werden:

  sudo apt-get install firmware-b43-installer

Mit den folgenden Befehlen wird der neue Treiber aktiviert:

 sudo modprobe -r b43 sudo modprobe b43

Nach einem Neustart funktioniert das WLAN.

Schön aber ohne Adressbuch

Elementary OS kommt mit einem vorinstallierten Mailclient und Kalender. Es fehlt aber eine Kontaktverwaltung. Daher sind diese Apps für mich unbrauchbar. Ich habe zu diesem Zweck Evolution installiert. Für Evolution gibt es sogar ein Exchange plugin und dank der Anleitung von Franz Knipp funktionierte die Einrichtung von iCloud Kontakte und Kalender reibungslos.

Hinweis Dropbox

Der Standart Dropbox-Client will nicht so recht funktionieren. Hier gibt es ein für ElementaryOS angepfasstes Installationsscript.

Geschwindigkeit

Der neue Login-Screen

ElementaryOS, wie auch Ubuntu hat ein Problem mit dem Intelgrafik-Treiber. Dadurch wird das MacBook insbesondere beim Aufstarten erheblich gebremst. Auch im Betrieb friert das System manchmal kurz ein. Die folgende Anleitung hilft enorm um das Gerät schneller zu machen und den Bug zu beheben:

Im Terminal folgendes Eingeben:

  1. sudo nano /etc/default/grub

Dann den folgenden Boot-Parameter ergänzen: video=SVIDEO-1:d
Die betreffende Zeile sieht jetzt so aus: GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash video=SVIDEO-1:d"

  1. sudo update-grub
  2. sudo reboot

Fazit

Man kann mit elementaryOS ein aktuelles Betriebssystem auf alte Apple-Hardware bringen. Leider ist das Treiberproblem auf Linux noch nicht gelöst. Meinen HP Netzwerkdrucker konnte ich bisher nicht installieren, wer mir einen Tipp hat, wie man das HPLIB in elementaryOS installiert, soll dies doch in die Kommentare schreiben.  Auch der Fujitsu ScanSnap ix 100 will nicht mit Linux zusammenarbeiten. Ansonsten werde ich ein paar Erfahrungen sammeln und wieder berichten.

Nachtrag:

Sowohl den Drucker, wie auch den Scanner konnte ich mittlerweile einrichten. Um die HPLIP zu installieren gibt man einfach den folgenden Befehl ins Terminal ein:

 sudo apt-get install hplip hplip-gui

Um den Scansnap unter Linux zu installieren kann man dieser Anleitung folgen: https://netzleben.com/scansnap-ix500-unter-linux-installieren

Ein wichtiges Detail fehlt. Man muss zusätzlichen den  Treiber von Fujitsu installieren.

Autonome Fahrzeuge: Fluch oder Segen?

Samstag, 30. Juli 2016

Die Automatisierung des motorisierten Strassenverkehrs wird das Verkehrssystem tiefgreifend verändern. Ob dies für die Fussgängerinnen und Fussgänger gut oder schlecht ist, hängt von künftigen Entscheidungen ab. Zwei Szenarien.

Ein Artikel für Fussverkehr Bulletin 2-16

Test mit Autonomem Postauto in Sion (VS)

Der Anfang vom Ende des Gehens

Schon heute gibt es Autos, die auf bestimmten Strecken selbständig verkehren. In Zukunft wird sich das Auto nach dem Aussteigen der Fahrgäste selbständig einen Parkplatz suchen und die Passagiere auch wieder abholen – es bietet sozusagen den Komfort einer privaten Limousine mit Chauffeur. Der Strassenraum wird so gestaltet, dass Fussgängerinnen und Radfahrer den Fahrzeugen nicht in die Quere kommen können. Da sich die Autobesitzer kaum mehr zu Fuss bewegen, entsteht ihnen dadurch kein Nachteil. Selbstverständlich wollen Eltern ihren Kindern in einer solchen Welt das Gehen nicht zumuten, und so kauft, wer es sich leisten kann, ein Auto für die Kinder. Um die wachsende Nachfrage nach Parkraum zu decken, werden Trottoirs verschmälert oder ganz aufgehoben. Das Gehen auf der Strasse wird mit hohen Geldstrafen gebüsst. Zu Fuss wird ohnehin nur noch unterwegs sein, wer sich kein Fahrzeug leisten kann.

Neue Freiheit für Fussgängerinnen und Fussgänger

Die bessere Zukunft für Fussgängerinnen und Fussgänger hat schon begonnen, und zwar mit einer Revolution im öffentlichen Nahverkehr. In Sitten testet Postauto Schweiz zurzeit autonome Kleinbusse, die als Shuttleservice mit tiefer Geschwindigkeit die autofreie Innenstadt erschliessen. Dank solcher Fahrzeuge wird in Zukunft eine wirtschaftliche Versorgung ländlicher Gebiete mit einer hohen Qualität möglich; das Auto der Zukunft ist nicht mehr privat, sondern wird Teil des öffentlichen Nahverkehrs. In der Folge sinkt der Motorisierungsgrad auch auf dem Land, weil die Nutzung solcher Fahrzeuge günstiger ist als ein eigenes Auto, aber den Komfort eines Taxis bietet. Überflüssig gewordene Parkflächen werden zur Aufwertung des öffentlichen Raums aufgehoben. Diese autonomen Fahrzeuge werden relativ langsam fahren und so programmiert sein, dass sie die Geschwindigkeit immer den Verhältnissen anpassen. Dadurch können Fussgänger überall sicher die Strasse überqueren, ohne sich um ihre Sicherheit sorgen zu müssen. Um Zeit und Geld zu sparen, nutzen die meisten Menschen statt der langsamen Autos autonome Busse, Trams und Züge. Für kurze Strecken aber wird das Gehen beliebt sein.

Fazit

Ob der Strassenraum dereinst ein Fussgängerparadies oder eine Verkehrshölle sein wird, hängt davon ab, wie die Politik die Prioritäten setzt. Folgende Regulierungen dürften dabei entscheidend sein:
  1. Die Parkierung von Fahrzeugen muss gleich viel kosten wie andere Nutzungen an der entsprechenden Lage.
  2. Autonome Fahrzeuge müssen unter den gegebenen Umständen sicher verkehren können. Auf Anpassung der Infrastruktur und Markierung ist zu verzichten. Insbesondere dürfen keine zusätzlichen Elemente eingeführt werden, welche die Gehwege von der Strasse trennen.
  3. Das Modul, das die Verkehrsabläufe steuert, darf aus Sicherheitsüberlegungen während der Fahrt nicht mit anderen Fahrzeugen oder dem Internet vernetzt sein. Ein Trojaner auf dem PC kann schon viel Schaden anrichten. Eine Flotte gehackter autonomer Autos hat das Schadpotenzial eines Terroranschlags.
  4. Autonome Autos müssen die Verkehrsregeln und insbesondere SVG Artikel 32 Absatz 1 (Anpassen der Geschwindigkeit) einhalten.
  5. Bei Unfällen haftet der Hersteller.
  6. Wenn ein Fahrzeug die Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann, muss es einen sicheren Zustand herstellen (an den rechten Rand fahren und
  7. anhalten).
  8. Bei Fahrzeugen, die sowohl autonom als auch manuell gefahren werden können, muss verhindert werden, dass während der Fahrt der Modus gewechselt werden kann. Es muss jederzeit klar sein, ob der Mensch oder die Maschine verantwortlich ist.